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Berufsbildungswerke erproben neue Technologien

16.11.2022

Ausbilderin Corina Lewin zeigt die Arbeit mit der HoloLens

Das Verbundprojekt EdAL MR 4.0 soll Teilhabechancen erhöhen

Seit Februar 2022 erforscht und erprobt die Bundesarbeitsgemeinschaft der Berufsbildungswerke (BAG BBW) gemeinsam mit der TU Dortmund und dem Christlichen Jugenddorfwerk Deutschland e.V. (CJD) Mixed Reality-Technologien, um die Teilhabe schwerbehinderter Menschen am Arbeitsleben zu fördern. Das Projekt EdAL MR 4.0 – hat den Schwerpunkt „Entwicklung und Erprobung digitalisierter Arbeitshilfen und Lerneinheiten auf Mixed Reality Basis in der beruflichen Reha-Ausbildung zur Vorbereitung auf den Arbeitsmarkt 4.0“.
In der Mixed Reality (MR) (Gemischte Realität) wird die natürliche Wahrnehmung eines Nutzers mit einer künstlichen (computererzeugten) Wahrnehmung vermischt. Dabei werden virtuelle Bestandteile in die bestehende Umgebung integriert. So können künstlich erzeugte - nur mit Hilfsmitteln sichtbare – Gegenstände wie Arbeitsmittel und Werkzeuge in die vorhandene Welt eingebaut und die Vorteile digitaler Technologien genutzt werden.
Die HoloLens ist das Arbeitsmittel, das ermöglichen soll, Lerninhalte digital darzustellen. Das ist eine Mixed Reality-Brille - ein völlig eigenständiger, kabelloser Computer, der Anwender:innen einen Blick in die gemischte Realität (Mixed Reality) ermöglicht. Nutzer:innen können mit der HoloLens digitale Inhalte – sogenannte Hologramme – in der realen Welt sehen. Darüber hinaus können sie über Sprache und Gesten in der gemischten Realität interagieren. Wenn diese digitalen Produkte zielgerichtet und individuell an die Bedarfe der Menschen und den Arbeitsprozess angepasst werden, können sie die Teilhabechancen von Menschen mit Behinderungen am Arbeitsleben erheblich fördern.

Drei BBW–Standorte nehmen an der Erprobung dieser neuen Technologie teil - Hamburg, Gera und Dortmund. Bei einem ersten Arbeitstreffen im September 2022 wurden verschiedene Kompetenzfelder in der beruflichen Bildung identifiziert und in den teilnehmenden BBW Lernstationen mit digitalen Medien entwickelt. Jedes BBW hat einen Berufsbereich festgelegt, in dem die Technologie erprobt werden soll. Dabei wurden sowohl Berufe in den Blick genommen, die bereits einen hohen Grad an Digitalisierung in der Ausbildung aufweisen als auch solche, in denen digitale Medien bisher wenig Verwendung finden. Dadurch hebt sich das Projektvorhaben von bisherigen Forschungsprojekten auf diesem Gebiet ab. Gerade in Bereichen, die bisher kaum digitalisiert sind, kann der vermehrte Einsatz digitaler Arbeitshilfen das Potential individueller, bedarfsorientierter Förderung beim Lernen und Arbeiten erheblich unterstützen.
Die ausgesuchten Berufsbereiche für die Erprobung sind im BBW Gera das Lager, die Küche im BBW Dortmund und der Friseurbereich im BBW Hamburg. Bei einem zweitägigen Treffen im BBW Hamburg erhielten die Projekt-BBW eine von bald vier HoloLenses und begannen, sich mit der spannenden Technik vertraut zu machen.

Ausbilderin Corina Lewin aus dem BBW Hamburg hat mit den Projektpartner:innen Berufsfelder speziell im ausgesuchten Bereich Friseur unter die Lupe genommen. Gemeinsam wurden Ideen entwickelt, welche Inhalte digital umgesetzt werden können. Nun besteht die schwierige Aufgabe darin, theoretische und fachpraktische Inhalte so aufzubereiten, dass die Programmierer:innen diese in der gemischten Realität umsetzen können. Beispiele solcher Inhalte im Friseurbereich sind der Aufbau des Haares, Haarschnitte, Farbenlehre oder Werkzeugkunde. Die gesammelten Erfahrungen mit Mixed Reality im Ausbildungsalltag sollen helfen, die Erkenntnisse auf andere Bereiche zu übertragen und Einsatzmöglichkeiten in anderen Berufsfeldern abschätzen zu können.

Projektkoordinatorin Claudia Joest von der BAG BBW betont, wie wichtig es ist, dass Reha-Angebote innovativ weiterentwickelt werden. „Mixed Reality schafft neue Möglichkeiten, Wissen schneller und langfristiger zu vermitteln und ist damit ein Kernbaustein zur Digitalisierung.“ sagt die Expertin für Berufliche Bildung und Inklusion. „Digitale Arbeitshilfen können effektive Unterstützung bieten und die Teilhabechancen von Menschen mit Beeinträchtigungen fördern.“ Claudia Joest ist sicher, dass der Einsatz von Mixed Reality-Technologien Ausbildungsbetrieben und Unternehmen helfen kann, die Vermittlung von theoretischen Lerninhalten anhand von 3D-Hologrammen weiterzuentwickeln. Für die Teilnehmenden bietet diese erlebbare Darstellung einen Mehrwert, stärkt die Motivation und knüpft an die Lebenswelt der jungen Menschen an. Das Projekt wird über Mittel des „Ausgleichsfonds für überregionale Vorhaben zur Teilhabe schwerbehinderter Menschen am Arbeitsleben“ (BMAS) gefördert.Die Ergebnisse des Verbundprojektes stehen zum Ende der Laufzeit im Dezember 2024 bundesweit übertragbar für andere Leistungserbringer der Beruflichen Rehabilitation zur Verfügung. (ak)